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Ich arbeite nach dem sprachsystematisch aufgebauten Konzept von Dipl. Päd. Carola Reuter-Liehr, das im Schwierigkeitsgrad steigend den Entwicklungsprozess beim Schriftspracherwerb nachvollzieht und ein strategieleitendes Lernen aufbaut und in vielfältigen Anwendungen trainiert.
(zur näheren Information vgl. u.a.: Reuter-Liehr, C. (1998): Ein ganzheitlicher, sprachsystematischer Aufbau des Lesens und Rechtschreibens bei lese-rechtschreibschwachen Kindern - ein empirisch überprüftes Programm. In Bundesverband Legasthenie (Hrsg.): Legasthenie. Ein Bericht über den Fachkongress 1997 (Seite 159-178). Hannover: BvL oder Reuter-Liehr, Carola: Lautgetreue Lese-Rechtschreibförderung. Band 1. Eine Einführung in das strategiegeleitete Lernen zum Training von Phonemstufen auf der Basis des rhythmischen Syllabierens. Verlag Dr. Dieter Winkler, Bochum 2001)
Das Konzept integriert heilpädagogische Methoden (beispielweise das rhythmische Syllabieren nach Heide Buschmann) zur sicheren Strategieübernahme, um so korrektes Sprechen, Lesen und Schreiben zu fördern. Das lernende Kind beginnt jeweils auf der Nullfehlergrenze, um dann erfolgsorientiert aufgebaut zu werden. Wir starten im sogenannten lautgetreuen Bereich, der in sechs Schwierigkeitsstufen (Phonemstufen 1-6) eingeteilt ist, um dann nach der Automatisierung dieser Basis ein kognitives Regeltraining sinnvoll anschließen zu können. Ziel des Trainings ist es zum einen über eine bewusst gesteuerte Artikulation durch das Einüben des rhythmischen Syllabierens den lautgetreuen Bereich zu erarbeiten und zum anderen kognitives Regelwissen durch die Morphemsegmentierung zu vermitteln. Dadurch werden die in der deutschen Sprache vorhandenen Systematiken und Regelmäßigkeiten der Rechtschreibung verdeutlicht und für das legasthene Kind nutzbar gemacht. Um dies sinnvoll umzusetzen, geht die Therapie vom Leichten zum Schweren und vom Häufigen zum Seltenen. Da jedes Kind nachweislich beim Schreibprozess beim phonetischen Verschriften beginnt - es also erst einmal so schreibt, wie es spricht, und somit lautgetreu zu schreiben versucht - kann das Kind bei der korrekten Verschriftung immerhin bis zu 60% der deutschen Orthographie richtig schreiben. Im Anschluss daran kann das Kind Schritt für Schritt das Schwierigere und Seltenere erlernen. Dies erfolgt durch das anschließende Regeltraining, indem Begründungen bzw. Regeln zur Abweichung von der Lauttreue Stück für Stück eingeführt werden. Dadurch kann bis zu diesem Bereich 90% der deutschen Orthographie präsent sein. Das Lesetraining verläuft in gleichen Prinzipien analog zum Schreibtraining. Ebenso enthält das Konzept integrative Anteile von Lernspielen und Gesprächen, sowie je nach Bedarf Elternberatung und Lehrerkontakte.

Weitere ausführliche Informationen und eine Therapeutenliste finden Sie unter www.LRS-Therapie.de!

Aus der aktuelle Forschung:

Wir Therapeuten befürchten, dass legasthene Kinder, also Kinder mit Lese-Rechtschreib-Störung (LRS), in Zukunft nicht mehr in ausreichendem Maße behandelt werden.
Jüngste Studien belegen erneut die Notwendigkeit einer umfassenden Therapie von Kindern mit LRS, damit diese dauerhaft seelisch gesund und sozial integriert werden.

1. Günther Esser schreibt 2003, dass Kinder mit unbehandelter Lese-Rechtschreib-Störung deutlich schlechtere Zukunftschancen haben.
  • Schulerfolg:
  • Hier schnitten die Kinder mit LRS deutlich schlechter ab
  • ohne Berufsabschluss:
  • 23,3% der LRS-Kinder
    15,0% der Kontrollgruppe
  • Arbeitslosigkeit:
  • 25,8% der LRS-Kinder
    3,9% der Kontrollgruppe
  • Psychische Auffälligkeiten, wie dissoziale Symptome (Körperverletzung, Stehlen) oder Suchtproblematik:
  • LRS-Kinder übertreffen die Kontrollgruppe bedeutsam
(vgl. Esser, Günter u.a.: Was wird aus Achtjährigen mit einer Lese- und Rechtschreibstörung. Ergebnisse im Alter von 25 Jahre, in: Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 31. Jg., Heft 4, 2002)

2. Daniela Unterberg überprüfte 2004 in einer Studie der Universität Göttingen unter Leitung von Herrn Prof. Hasselhorn die kurz- und langfristige Wirksamkeit des Legasthenie-Behandlungskonzeptes nach Reuter-Liehr.
  • Schulerfolg:
  • Von den behandelten Kindern erreichten
  • 30,4% einen gymnasialen Abschluss

  • 39,1% einen Realschulabschluss

  • 28,3% einen Hauptschulabschluss

  • Eine häufige Verschiebung nach unserem Konzept therapierter Kinder der Follow-Up-Stichprobe hin zu höheren Schulabschlüssen nach Beendigung der Therapie zeigt, im Gegensatz zu Essers Ergebnissen, einen positiven Schulverlauf. Von 46 Personen macht 1 Sonderschüler einen Hauptschulabschluss, 10 Hauptschüler erreichen einen Realschulabschluss und 2 Realschüler können das Gymnasium abschließen. Nur 1 Realschüler wechselt zur Hauptschule.
  • Berufsabschluss/Arbeitslosigkeit:
  • Mit nur einer arbeitslosen Person ohne Schulabschluss und ohne abgeschlossener Berufsausbildung weist diese Studie ebenfalls eine positivere Bilanz auf, als die von Esser.
Die Studie von Unterberg schließt mit folgendem Gesamtergebnis: "Als Implikation für die Kostenträger sollte dies bedeuten, dass es Kindern, die von LRS betroffen sind, weiterhin ermöglicht werden sollte, eine Therapie finanziert zu bekommen. Dabei sollte durch eine Finanzierung gewährleistet sein, dass die Anzahl der Therapiestunden ausreicht, um wenigstens den Phonemstufen- und Regelbereich als wichtigste Bereiche der deutschen Orthographie bearbeiten zu können. Denn von dem in der Therapie vermittelten Wissen kann langfristig profitiert werden und der Erwerb neuen Rechtschreibwissens nach Beendigung der Therapie erscheint begrenzt."
(Unterberg, Daniela J, : Die Entwicklung von Kindern mit LRS nach Therapie durch ein sprachsystematischesFörderkonzept, 2004, S. 88, Veröffentlichung erfolgt)

Aufgrund unserer Erfahrungen sind für einen erfolgreichen Therapieabschluss im Regelfall mindestens 80 Behandlungsstunden notwendig. Von schulischer Förderung können legasthene Kindern in der Regel nicht oder nur sehr unzureichend profitieren. Auch dies belegt, neben vielen anderen Studien, die Studie von Unterberg.
Ein vorzeitiger Abbruch der Therapie gefährdet die dauerhafte Lese- und Rechtschreibfähigkeit und damit die Integration in unsere Gesellschaft, deren grundlegende Kulturtechnik das Lesen und Schreiben ist.
Wie oben in der Studie von Esser ausgeführt, hat mangelnde Lese- und Rechtschreibfähigkeit nicht nur negative Auswirkungen auf die psychische und berufliche Entwicklung der Betroffenen, sondern verursacht auch hohe gesellschaftliche Folgekosten, die die Kosten einer Legastheniebehandlung um ein Vielfaches überschreiten.